Rezension „Weggeglückt“

Bereits im letzten Jahr wurde ich gebeten, ob ich nicht das Buch Weggeglückt* vom rbw-verlag rezensieren würde, Danke an dieser Stelle dem Verlag für das Rezensionsexemplar. Und natürlich habe ich gern angenommen, denn der Kurztext dazu hat mich sehr neugierig gemacht:

Ein Roman über die Liebe.

Eigentlich nichts Besonderes. Wäre da nicht
ein Blick hinter die Fassaden, schonungslose Einblicke in den gelebten
Egoismus der heutigen Zeit. Wo uns die Versuchung vor sich her
treibt, wir im Anblick nie enden wollender Versuchungen nur zu gern den
Verlockungen erliegen, da war ein nahrhafter Boden für die
Auseinandersetzung mit der Liebe im 21. Jahrhundert. Nun werden aber
auch keine modernen Liebespraktiken und Beziehungsformen hinterfragt.

Vielmehr sehen wir uns mit grundlegenden Dingen konfrontiert.
Wann schafft der Mensch es, zufrieden zu sein? Braucht es dafür
erst den Fingerzeig des Schicksals, damit Menschen aufwachen
und sich ihrer Werte besinnen?

Auf der Homepage gibt es sogar eine Leseprobe. Der Autor René B. Werner ist auch der Verleger seines Romans.

Nun zum Buch: Ich bin ein wenig zwiegespalten. Erstens ist es natürlich ein Erstlingswerk. Und die ersten Kapitel sind phantastisch geschrieben. Man fiebert mit, es sind schöne Metaphern enthalten, es gibt Stellen zum Mitlachen und zum Mitweinen. Ein unbedingt empfehlenswertes Buch, habe ich gedacht. Es kam an die Bücher von Nicholas Sparks heran, auch thematisch. Aber dann, so nach ca. einem Drittel wird es irgendwie zäh. Langweilig. Bei Seite 170 dachte ich, ich lege es weg und lese es nicht zu Ende. Aber ich bin ja mit Durchhaltevermögen gesegnet und habe dann doch weiter gelesen. Ich persönlich hatte mehr und mehr den Eindruck, dass der Autor zunehmend unter Zeitdruck stand. Oder unter Ideenverlust. Jedenfalls gibt es plötzlich große Zeitsprünge. Es gibt Widersprüchlichkeiten (mit 20 Jahren kann man nicht 9 Jahre verlobt gewesen sein) und es wirkt, als wollte der Autor um alles in der Welt unbedingt noch die Lebensweisheit der inzwischen stark gealterten Protagonistini Julia loswerden, die dann auch noch mit erhobenem Zeigefinger weitergegeben wird. Schade drum, denn die philosophischen Ansätze dieser Überlegungen sind durchaus vielversprechend. Einen schalen Beigeschmack hinterließ bei mir auch die teilweise nicht nachvollziehbare Handlungen. Wenn ein Mensch absolut in seiner Mitte ist, wie einer der Protagonisten beschrieben wird, halte ich persönlich es für äußerst unwahrscheinlich, dass dieser Mensch dann zu einem Selbstmord wegen des Verhalten des Partners getrieben wird. Um die Spannung nicht zu nehmen, gehe ich aber nicht weiter auf die Story ein.

Von der Geschichte her ist es eine Mischung aus Dr. Schiwago (unerfüllte Liebesgeschichte), Nicholas Sparks „Wie ein einziger Tag“ (glückliche Liebesgeschichte nach Irrungen und Wirrungen mit tragischem Ausgang) und Konsaliks Büchern (im gleichen Stil beschriebene erotische Situationen). Dazu noch eine Prise des derzeit allseits präsenten „Sei glücklich, mit dem, was du hast, dann geht es dir gut.“.

Insgesamt würde mich aus psychologischer Sicht interessieren, wieviel der beschriebenen Handlung autobiographisch Erlebtes ist und wieviel hinzugedichtet. Ähnliche Fragen stellen sich auch die Rezensenten von annasbuecherstapel.de. Hier ist noch eine weitere Rezension.

Insgesamt würde ich sagen, dieses Werk wird mit Sicherheit nie zur Weltliteratur gezählt werden, aber es ist nun auch nicht so schlecht, dass man es gar nicht lesen kann. Es beinhaltet interessante Ansätze zum Thema Liebe und Partnerschaft, bietet aber leider wenig alternative Lösungsmöglichkeiten zu einem erfüllten Leben. Den beiden Hauptprotagonisten wird viel Raum für die eigene Nabelschau eingeräumt, die anderen vorkommenden Personen werden zwar teilweise beschrieben, aber nur sehr oberflächlich, obwohl sie (vielleicht gerade deshalb) für mich die interessanteren Charaktere zu sein scheinen.

Fazit: Ein Buch, das man durchaus lesen kann und das mich neugierig auf weitere Werke des Autors macht.