Leipzig, ich komme

Es ist soweit, die Vorbereitungen für die Woll- und Stoffmesse in Leipzig laufen auf Hochtouren:

Hier noch ein Blick in meinen Färbebereich. Manche färben in ihrer „normalen“ Küche, aber ich halte so eine Handhabung für nicht ganz ungefährlich.

Ich freue mich jedenfalls darauf, euch in Leipzig an meinen neuesten Färbungen teilhaben zu lassen. Und ein paar Feinheiten von Cocoknits sowie eine Auswahl an Knöpfen habe ich auch im Gepäck.

9. Leipziger Wolle-Fest und Stoffmesse

„Nur ein Herz kann Herzen gewinnen“ Julius Langbein

Vergangenen Samstag war es wieder so weit, das Leipziger Wolle-Fest und Stoffmesse eröffnete seine Pforten, wieder in der Glashalle des Messezentrums Leipzig. Ich hatte ja kolportiert, dass es mit der Wollbranche bergab gehen wird, aber die Erfahrung hat mich nun eines besseren belehrt.

Qee (Quod erat expectandum.)Der Markt stagniert nicht nur, er ist im freien Fall. Das Wollfestival Köln fällt auch…

Posted by Zeena Sabine Meckl Coaching und Consulting on Donnerstag, 24. März 2016

Bei strahlendem Sonnenschein öffnete die Messe pünktlich um 10 Uhr seine Pforten. Und was soll ich sagen, es füllte sich schneller, als erwartet, um 12 Uhr war die Halle rappelvoll.
12920319_1192097090802744_1655184082508906201_n

Wolleverliebt

Auf jeden Fall beeindruckt hat mich diese Haarfarbe – Haare sind ja eigentlich auch nur Wolle, oder?
20160402_115345

Beeindruckend war auch diese Handtasche einer russischen Künstlerin (wer die genauen Informationen haben möchte, kann mir gern eine Mail schicken, ich gebe dann die Kontaktdaten weiter):
Filztasche

Ansonsten lebt das Event wie alle Events dieser Branche von Farbe und Haptik (Erfühlen).
Filzlinge

Filzhüte

Spinnfasern

Röschen

Patchworkstoffe

Das klappt aber nicht nur bei Wolligem oder Stoffigem:
Tonanhänger

Farbverlaufsgarne sind der Renner schlechthin, es schießen auch immer mehr Anbieter dieser Gefachten Garne aus dem Boden:
Leipziger-Wollfest-Wettbewerb2

Leipziger-Wollfest-Wettbewerb1

Praktisch angesichts der steigenden Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein unter dem Glasdach der Halle erwies sich dieses Shirt, mit dem die Trägerin natürlich dennoch vollkommen perfekt gekleidet war:
Strickpullover

Selbst ich, als anerkannter Frostköddel habe mich nur im Shirt in der Mittagszeit dem ersten Sonnenbad hingegeben:
Sonnenbad

Ein langes Gespräch mit Hotsocks, das wir führten, während wir diesen Karton begutachteten
handgefärbt
überzeugte mich, doch dem Wunsch vieler Kundinnen nachzukommen und wieder zu färben. Ab nächstes Jahr werde ich wieder hangefärbte Wolle anbieten, bis dahin ist aber noch viel zu tun.

Antiwerbung

Derzeit fällt mir im Bereich der handgefärbten Garne auf, dass es immer mehr Anbieter gibt, die in diversen Facebook-Gruppen verkaufen und um für die Kunden interessant zu bleiben, die Verkaufspreise immer weiter herunterschrauben. Marktwirtschaftlich gesehen eine völlig normale Entwicklung. Ob es sinnvoll ist, sozusagen nur noch zum Selbstkostenpreis ohne Berücksichtigung der Arbeitszeit Wolle zu färben, um diese günstigen Preise anbieten zu können, steht auf einem anderen Blatt.

Und dann passierte folgendes: Irgendwer setzte auf Facebook das Gerücht in die Welt, dass diese „Billiganbieter“ Wolle zweiter Wahl verwenden würden. Um vermeintlichen Schaden abzuwenden, setzten sich die „Billiganbieter“ durch ein öffentliches Statement in ihrer Gruppe dagegen zur Wehr. Allerdings ging dann der „Gaul mit ihr durch“, jedenfalls unterstelle sie pauschal allen anderen Handfärbern und Handfärberinnen, dass diese nur aus Geldgier diese hohen Preise haben. Das ist natürlich erstens Quatsch und zweitens nicht die feine englische Art.

Hier mal zur allgemeinen Information, wie man den Färbeprozess bei handgefärbter Wolle kalkulieren kann:

  • Festsetzung eines Stundenlohnes
    Dabei ist zu bedenken, dass von diesem Betrag alle Sozialversicherungsbeiträge und die Einkommenssteuer bezahlt sein müssen.Folgende Zeitfaktoren muss man berücksichtigen:

    • Festsetzung der benötigten Zeit für die Färberei
    • Benötigte Zeit fürs Wickeln und Etikettieren der Stränge
    • Benötigte Zeit für das Fotografieren der Stränge
    • Benötigte Zeit für den Verkauf der Stränge
    • Benötigte Zeit für die Buchhaltung und das Erstellen der Rechnungen
    • Benötigte Zeit für den Versand der Stränge
    • Benötigte Zeit für Werbemaßnahmen
  • Kosten für die Farbe
  • Kosten für Wasser
  • Kosten für Strom
  • Kosten für die Etiketten
  • Kosten für die gewählte Internetpräsenz (entfällt bei Verkauf über eine Facebookgruppe)
  • Kosten des Versands der Stränge
  • Kosten für Werbung

Das sind die reinen Kosten für das Färben. Hinzu kommen natürlich die Kosten für einen ungefärbten Strang, die stark von der gewählten Qualität abhängen.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Thema: Erzürnt ob dieser infamen Unterstellung, sie würden sich an den handgefärbten Garnen unlauter bereichern, haben nun mehrere Handfärberinnen wiedrum in ihren Gruppen auf diesen Misstand aufmerksam gemacht und ihren Unmut darüber kund getan. Ich hätte beispielsweise gar nichts von diesen „Billiganbietern“ mitbekommen, wären eben nicht diese anderen Einträge gewesen. Und es wird nicht nur mir so gegangen sein, dass meine Neugier geweckt war, ich herausfand, um welche Gruppe es sich handelt und da nun auch Mitglied bin. Letztlich hat dieser Beitrag also genau den entgegengesetzten Effekt erzielt, nämlich die eigenen Kunden werden erst auf diesen Mitanbieter aufmerksam. Und es ist durchaus vorstellbar, dass der ein oder andere dann doch diese günstigen Garne kauft.

Tja, gut gemeint ist halt leider das Gegenteil von gut gemacht.

 

 

Thumb-Down