Der Geldwert und der Geldbetrag

Neulich gab es bei Facebook eine Diskussion über die Preise von Tantra-Massagen. Ich fand das Angebot sehr preisintensiv und verglich es mit Preisen von physiotherapeutischen Praxen, die entsprechend günstiger sind. Daraufhin erklärte mir jemand folgendes: “ Eine wirkliche gute Massage gibt man nicht nur mit den Händen oder dem eigenen Körper sondern mit der Kraft der eigenen Seele, und das kann man nicht in Minuten oder Euro ausrechnen und kalkulieren.[…]Das Geld ist hier nicht als Geld, sondern als Energieaustausch zu sehen.“

Aha. Energieaustausch. Klingt plausibel und gefällt mir, insbesondere im Zusammenhang mit Geld. Aber, und das ist das, was mich hier beschäftigt, warum gilt das für eine nichtmaterielle Ware wie eine Massage anscheinend mehr als für einen materiellen Gegenwert wie ein handgefärbtes Garn? Da kann es dann gar nicht billig genug sein. Auch zu diesem Thema gab es vor wenigen Wochen eine Umfrage bei Facebook, wie hoch der Preis für handgefärbte Sockenwolle sein dürfe und es haben sich mehrer Handfärberinnen mit wirklichen „Kampfpreisen“ gemeldet. Auf die Nachfrage, warum dem so wäre, hat eine tatsächlich gesagt, weil sie es ja nur als Hausfrau machen würde, das Geld verdiene ihr Mann. Nun frage ich mich, wie diese Handfärberinnen denken würden, wenn die Arbeit ihres Mannes durch eine billigere Kraft aus dem Ostblock abgelöst würde – wäre das dann auch noch in Ordnung? Selber so agieren finden sie aber schon in Ordnung. Und wenn jemand mit zweierlei Maßstäben misst, fordert das meinen Widerspruchsgeist, daher hier dieser Beitrag.

Kommen wir also zurück zum Energieaustausch. Früher, nein, ganz früher, also vor dem Geld, da gab es Tauschhandel. Das war aber auf Dauer unpraktisch, also „erfand“ die Menschheit das Geld. Geld ist eigentlich ein Gegenwert für eigene produzierte Waren. Später, mit der Industrialisierung wurde Geld auch ein Gegenwert für die geleistete Arbeit, ohne dass das Produkt in direktem Zusammenhang damit stand. Aber es ist immer ein Wert für einen gewissen Energieaufwand, den man betreiben muss, um es zu ergattern. Und nun frage ich mich, warum viele von uns bereit sind, ohne mit der Wimper zu zucken, für ein nicht materielles Erlebnis wie eben Massagen oder Jochen Schweizers Erlebnisse wesentlich mehr Geld auszugeben, als sie selber im betreffenden Zeitraum verdienen würden und gleichzeitig finden wir es fast schon als persönliche Zumutung, für materielle Dinge wie Lebensmittel oder Elektronik überhaupt Geld auszugeben, da greift dann die Geiz-ist-geil-Mentalität. Ich finde das bemerkenswert und kann mir nicht recht erklären, warum das so ist. Aber darüber sprechen wollte ich mal.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr. Vielleicht finde ich im Urlaub Zeit, euch ein paar englischsprachige Strickzeitschriften vorzustellen, sonst halt erst im neuen Jahr.

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