Zufriedenheit – Ziel oder Hemmnis

„Oft büßt das Gute ein, wer Bessres sucht.“ William Shakespeare

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Qee (Quod erat expectandum.)Der Markt stagniert nicht nur, er ist im freien Fall. Das Wollfestival Köln fällt auch…

Posted by Zeena Sabine Meckl Coaching und Consulting on Donnerstag, 24. März 2016

wünschte mir Jane Binder

… Ich wünsche dir alles Gute, wirklich und dass auch du irgendwann Zufriedenheit erreichst oder vielleicht deine Energie in positivere Richtungen lenken kannst…

Ich habe mich artig für die guten Wünsche bedankt, hatte aber innerlich den Eindruck, dass der Wunsch, ich möge irgendwann Zufriedenheit erreichen, nicht dem entspricht, was ich mir für mich wünsche. Das verwunderte mich, denn Zufriedenheit scheint mir ein hehres Ziel zu sein.

Ein kurzes Reflektieren ergab, dass der vermeindlich gute Wunsch nach dem Erreichen von Zufriedenheit einfach nur eine Boshaftigkeit war, denn damit implementiert sie, dass ich derzeit nicht zufrieden bin, also nicht in Einklang mit mir selber lebe. Und das nur, weil ich mich dahingend geäußert habe, dass die Hochzeit der Wollevents überschritten ist (ich schreibe bewusst ist und nicht scheint, denn dessen bin ich mir sicher) und die Wollfestivals weniger werden. Das ist aber ein heute häufig zu beobachtender Reflex nach Friede, Freude, Eierkuchen und Weichspüler. Öffentlich traut sich kaum mehr jemand, eine kritische Meinung zu äußern. Darum soll es heute aber nicht gehen, sondern um Zufriedenheit. Bleibt also festzuhalten, dass ich sehr wohl zufrieden mit mir selber bin, insbesondere und gerade dann, wenn ich mich kritisch zu oder über Sachverhalte äußere, denn das bedeutet, dass ich Kapazitäten habe, mir Gedanken um Entwicklungen zu machen, die nicht mein Leben direkt betreffen. Bin ich unzufrieden, mürrisch und grantig, habe ich gar keine Kapazitäten, mich um etwas anderes als um mein Dasein zu kümmern.

Aber auch wenn man über den Status „Zufriedenheit“ nachdenkt, der mir sozusagen als endgültiges Ziel meiner Lebensgestaltung dargeboten wurde, muss ich sagen, begeistert mich das wenig. Zufriedenheit bedeutet, dass ich verharre, stillstehe.

„Stillstand ist Rückschritt und der erste Schritt ins Grab“ (Reinhold Würth)

Aber das ist nicht das Ziel meines Lebens. Mein Ziel ist es, dazu zu lernen, mich zu verändern, zu entwickeln.

“Nichts ist so beständig wie der Wandel” Heraklit von Ephesus (etwa 540 – 480 v. Chr.)

Und dieser Antrieb hilft mir dabei, mich weiterhin zu interessieren, erleben zu wollen, neue Ziele und Antriebe zu finden.

“Was bleibt, ist die Veränderung; was sich verändert, bleibt.” Michael Richter (*1952), deutscher Zeithistoriker

Bei Wikipedia fand ich noch diese gemeinfreie Darstellung:
Zufriedenheit

Sehr anschaulich wird hier, wie ich finde, die Flüchtigkeit der Zufriedenheit dargestellt, denn sobald sich auch nur ein Fünkchen der außeren Faktoren ändert, ist die Waage eben nicht mehr in der Waage und die Zufriedenheit weicht. Das ist Leben und das ist gut so.

Wünsche mir also weder Zufriedenheit, noch, dass ich so bleiben möge, wie ich bin, denn auch dieser Wunsch impliziert Stillstand. Wünschen wir uns alle stattdessen doch lieber eine Umgebung, in der wir in unserer Persönlichkeit reifen und wachsen können.

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