Antiwerbung

Derzeit fällt mir im Bereich der handgefärbten Garne auf, dass es immer mehr Anbieter gibt, die in diversen Facebook-Gruppen verkaufen und um für die Kunden interessant zu bleiben, die Verkaufspreise immer weiter herunterschrauben. Marktwirtschaftlich gesehen eine völlig normale Entwicklung. Ob es sinnvoll ist, sozusagen nur noch zum Selbstkostenpreis ohne Berücksichtigung der Arbeitszeit Wolle zu färben, um diese günstigen Preise anbieten zu können, steht auf einem anderen Blatt.

Und dann passierte folgendes: Irgendwer setzte auf Facebook das Gerücht in die Welt, dass diese „Billiganbieter“ Wolle zweiter Wahl verwenden würden. Um vermeintlichen Schaden abzuwenden, setzten sich die „Billiganbieter“ durch ein öffentliches Statement in ihrer Gruppe dagegen zur Wehr. Allerdings ging dann der „Gaul mit ihr durch“, jedenfalls unterstelle sie pauschal allen anderen Handfärbern und Handfärberinnen, dass diese nur aus Geldgier diese hohen Preise haben. Das ist natürlich erstens Quatsch und zweitens nicht die feine englische Art.

Hier mal zur allgemeinen Information, wie man den Färbeprozess bei handgefärbter Wolle kalkulieren kann:

  • Festsetzung eines Stundenlohnes
    Dabei ist zu bedenken, dass von diesem Betrag alle Sozialversicherungsbeiträge und die Einkommenssteuer bezahlt sein müssen.Folgende Zeitfaktoren muss man berücksichtigen:

    • Festsetzung der benötigten Zeit für die Färberei
    • Benötigte Zeit fürs Wickeln und Etikettieren der Stränge
    • Benötigte Zeit für das Fotografieren der Stränge
    • Benötigte Zeit für den Verkauf der Stränge
    • Benötigte Zeit für die Buchhaltung und das Erstellen der Rechnungen
    • Benötigte Zeit für den Versand der Stränge
    • Benötigte Zeit für Werbemaßnahmen
  • Kosten für die Farbe
  • Kosten für Wasser
  • Kosten für Strom
  • Kosten für die Etiketten
  • Kosten für die gewählte Internetpräsenz (entfällt bei Verkauf über eine Facebookgruppe)
  • Kosten des Versands der Stränge
  • Kosten für Werbung

Das sind die reinen Kosten für das Färben. Hinzu kommen natürlich die Kosten für einen ungefärbten Strang, die stark von der gewählten Qualität abhängen.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Thema: Erzürnt ob dieser infamen Unterstellung, sie würden sich an den handgefärbten Garnen unlauter bereichern, haben nun mehrere Handfärberinnen wiedrum in ihren Gruppen auf diesen Misstand aufmerksam gemacht und ihren Unmut darüber kund getan. Ich hätte beispielsweise gar nichts von diesen „Billiganbietern“ mitbekommen, wären eben nicht diese anderen Einträge gewesen. Und es wird nicht nur mir so gegangen sein, dass meine Neugier geweckt war, ich herausfand, um welche Gruppe es sich handelt und da nun auch Mitglied bin. Letztlich hat dieser Beitrag also genau den entgegengesetzten Effekt erzielt, nämlich die eigenen Kunden werden erst auf diesen Mitanbieter aufmerksam. Und es ist durchaus vorstellbar, dass der ein oder andere dann doch diese günstigen Garne kauft.

Tja, gut gemeint ist halt leider das Gegenteil von gut gemacht.

 

 

Thumb-Down




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.